Beiträge von mirko.prinz

    So, Leut'z!

    Versprochen ist versprochen. Hier die 3d-Dateien incl. AutoCad-Datei zum Bemaßen. Ganz ehrlich, ich kann mir nicht vorstellen, dass das einer hinbekommt. Das Ding kann man nur in der Stanze biegen. Selbst wenn es jemand auslasert, die Ohren dann so zu biegen, dass alle Löcher für die Bolzen bzw. den Gewindeniet an der richtigen Stelle sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass das jemand schafft. Ich jedenfalls betrachte es als CAD-Übung.
    Wenn natürlich jemand mit einem 3D-Drucker Metall drucken kann... Aber das steckt eben noch in den Anfängen, wäre dann also auch entsprechend teuer.
    Nun, wer sein Glück probieren will: Bittschön!

    Einen 3d-Drucker hab ich auch. Allerdings würde ich auf eine Fertigung aus Stahlblech plädieren, weil PLA oder ABS gedruckt bei Weitem nicht mal die Hälfte der Haltbarkeit von 3mm Stahlblech (Original) hat. Der Sensor wiegt etwa 500g!

    Mein Gedanke war, das jemand das Teil auslasert und biegt. STL ist kein Problem.
    Hab schon mal angefangen mit konstruieren ...

    also einmal muss ich euch noch mit meinem (Born) Senf bekleckern.


    Zum Ersten finde ich es grob fahrlässig, wenn jemand, der "mal probieren will, ob er es hinbekommt", mit Schwarmwissen aus dem Internet an der Bremse rumschraubt. Da würde ich von Glück reden, dass bei so manchem Onlineschrauberlehrling die Bremse "nur" quietscht. An sicherheitsrelevanten Teilen wie Fahrwerk etwas falsch zu machen ist verheerender, als eine nicht funktionierende Sitzheizung.

    Ich bin gelernter KFZ-Schlosser und habe gelernt, wie man so etwas macht. Ich konnte mir also schon vorher denken, dass Keramik auf alten Scheiben einen anfänglich deutlich merkbaren Verlust der Bremsleistung bedeutet, das war bei den Asbestbelägen auch schon so, dass sie sich erst "einlaufen" müssen.

    Ich habe bei beiden Autos Scheibe und Beläge getauscht, die Scheiben nicht "saubergebremst", sondern vorher gereinigt und Bremssattel, Halter und Nabe der eigentlich obligatorischen "Pflege" unterzogen. Gleitbleche, Sauberkeit und blaue Bremspaste sind nun mal kein "überflüssiger Schnickschnack" an der Bremse.


    Zum Zweiten stammt die ursprüngliche Idee der geschlitzten bzw. gelochten Bremsscheibe nicht vom Tuning-Designer, sondern eigentlich vom Rennsport. Dort sollte eine Verbesserung des Nassbremsverhaltens einer Scheibenbremse erreicht werden. Eine nasse Bremsscheibe bildet beim Bremsvorgang durch die Reibungshitze und dem Druck einen Film aus Wasserdampf zwischen Belag und Scheibe. Dieser sollte durch die Schlitze oder Bohrungen expandieren. Somit liegt der Belag wieder auf der Scheibe auf. Der Verlust an Bremsleistung durch Schlitzung oder Löcher ist minimal und praktisch fast unmessbar, der Gewinn an Bremsleistung bei nasser Scheibe hingegen ist schon recht deutlich.

    Im "zivilen" Straßenverkehr spielt natürlich das "coole" an einer gelochten oder geschlitzten Scheibe eine erhebliche Rolle. Über das verbesserte Nassbremsverhalten dürfte dabei wahrscheinlich kaum jemand nachgedacht haben.


    Zum dritten erzeugt ein repariertes Auto immer das Gefühl, dass es jetzt besser läuft, das ist meistens eher subjektiv. Meine Entscheidung für den Keramikbelag war eigentlich der Tatsache geschuldet, dass man den grauen Bremsstaub auf den Alus nicht sieht. Am Ende habe ich mich umso mehr darüber gefreut, dass das Bremsverhalten auch deutlich besser ist, als vorher mit den Asbestbelägen. Mich hat gefreut, dass bei einer Vollbremsung kein Fading durch ausglühenden Belag und kein Verziehen der Scheibe durch die Hitze aufgetreten ist.

    Deshalb habe ich mich beim notwendigen Bremserneuern beim Focus meiner Frau sofort für Keramik entschieden. Meine Frau und ich sind keine Rennfahrer, wir profitieren eher davon, dass die Alus nicht mehr schwarz sind oder dass die Bremse sich besser "anfühlt". Dass wir bei einer Vollbremsung statt nach 30m schon nach 27m stehen, haben wir natürlich so nicht wahrgenommen. Zwischen subjektivem Empfinden und Messwerten klafft nun mal eine riesen Lücke.


    Schönes Wochenende!

    Was ich noch vergessen habe: die Seitenverkleidung vom Sitz muss natürlich auch ab. Dazu ist am hinteren Ende von der Innenseite des Sitzes aus gesehen hinter der Lehne eine kleine Inbusschraube, die dreht man raus, hebelt das Ganze ein wenig nach außen und schiebt dann diese gesamte Verkleidung mit einem kräftigen Ruck nach vorn. Schon ist sie lose. Anschließend werden noch die beiden Stecker von diesen Stellknöpfen abgezogen.


    Den Gurthalter abbauen lohnt sich nicht (ich habe alle 4 Buchsen gewechselt). Die Schraube hinter dem Gurthalter habe ich mit dem 35er (?) Inbus und einem 8er Ratschenschlüssel bewegt.

    zum Ablauf: zuerst habe ich die beiden hinteren Konsolen Schrauben der Sitzkonsole unten raus geschraubt, dann den Sitz nach hinten gefahren, dann die vorderen Schrauben heraus geschraubt. Anschließend habe ich den Sitz nach hinten gekippt, und die kleine Siebener Schraube vom Stecker des Kabelanschlusses am Sitz gelöst. Kleiner Hinweis noch: es empfiehlt sich, die Rückenlehne in die vorderste Position zu kippen, und den Sitz dementsprechend vorm Herausschrauben der hinteren Schrauben nach vorne zu fahren bzw vor dem Herausschrauben der vorderen Schrauben nach hinten zu fahren. Dann habe ich den Sitz herausgeholt, ihn auf zwei Böcken platziert. Dabei habe ich ihn auf den Kopf gestellt. Anschließend habe ich, um die untere Sitzkonsole vom Sitz trennen zu können, die vier Anschlussstecker am Steuerteil vom Sitz abgezogen. Danach habe ich die kabelbefestigungen vom Gurtschloss und den Stecker am vorderen Stellmotor abgezogen. Anschließend habe ich die vier bewussten Schrauben, die da lose waren, herausgedreht, die entsprechenden alten Hülsen aus den Löchern mit einem 16er Stufenbohrer heraus gebohrt, und den ganzen Kladderadatsch in umgekehrter Reihenfolge wieder zusammengebaut. Nichts wackelt, alles ist schön. Habt ihr noch weitere Fragen, fragt!

    Aaaalso: Powerdisk und Keramik verträgt sich nicht? Gequietsche? Bin extra auf Zehenspitzen zum Auto - absolute Ruhe!

    Im Ernst, hab ich drei, Frau 2 Jahre so, quietscht nix bei uns. Aber vielleicht habe ich ja die falschen Reifen drauf, die übertönen das Ganze.

    Welche Reifen passen denn am Besten zu ATE Keramik und Powerdisks?

    duckundweg

    Moin!
    Also ich habe seit ein paar Jahren vorn und hinten ATE Powerdisks (die mit den elliptischen Einfräsungen drauf) und Keramik-Beläge. Die Keramik macht keinen schwarzen Bremsstaub, sie verglasen nicht und halten länger. Mehrkosten unter 20€. Bin davon so überzeugt, dass ich das beim Focus von meiner Frau auch eingebaut habe. Ich hatte die Beläge damals noch von Honeywell, ATE verkauft die mittlerweile auch. Bei meiner Frau ist also alles von ATE.


    just my 2 cent

    Moin, Glaubensgemeinde!


    An der Stelle noch mal danke an die "Experten" hier, die sich immer wieder die Mühe machen, anderen bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen und das größtenteils sogar sehr professionell. Ohne Euch wäre so ein Forum hier ein virtueller Stammtisch mit bierseligem Smalltalk.
    Also - das ist mein voller Ernst - vielen Dank dafür!

    Gruß Mirko


    :doublethumbsup:

    Von 1980 bis 82 habe ich eine Lehre als KFZ-Schlosser gemacht. Repariert habe ich unter Anderem Moskwitsch. Da war die Startkurbel Teil des Bordequipments! Das Nummernschild konnte nach unten geklappt werden, dahinter war in der Stoßstange (das waren noch welche, 3mm verchromtes Stahlblech!) das Loch zum Durchstecken. Beim Ventile einstellen hieß es da immer : "halbe Umdrehung!"


    War schon eine coole Zeit!