Kupplung Geberzylinder wechseln

  • Seit kurzem hatte ich ein seltsames Knacken im Kupplungspedal und dabei einen seltsamen "Druckpunkt" nach wenigen cm. Ausserdem stand das Pedal wesentlich höher als Bremse und Gaspedal. Beim Versuch zu entlüften konnte ich nicht über den Vorratsbehälter entlüften, es ging nur vom Entlüftungsventil aus und auch nur mit höherem Druck (4 bar, pneumatisches Entlüftunsggerät). Nach 2-3 Tagen hatte die Kupplung kaum noch Pedalweg und das Pedal kam auch nicht wieder zurück. Also habe ich mir einen Geberzylinder gekauft und am Samstag gewechselt.
    Mein besonderer Dank geht an die Entwicklungsingeneure bei Ford, die eine ansich einfache und nicht unbedingt selten notwendige Arbeit wahnsinnig kompliziert und aufwendig machen konnten.
    Um den Geberzylinder wechsel zu können muss das Kupplungspedal ausgebaut werden. Das geht beim LHD nur wenn man das Armaturenbrett und den Hilfsrahmen der Lenksäule ausbaut.
    Also los gehts
    Lenkung geradeaus, das erleichtert die Arbeiten an der Lenksäule.
    Im Motorraum Luftfiltergehäuse, Batterie, Batteriekasten, Halter Batteriekasten, Scheibenwischer, Windlauf und Scheibenwischermotor mit Gestänge ausbauen.
    Innen
    A-Säulenverkleidungen oben vorsichtig zur Mitte abziehen und dann nach oben entnehmen. Der oberste Clip ist mit einem Fangband gesichert, der muss aus der Verkleidung raus gezogen werden. Ersatz für die je 2 unteren Clipse sollte man vorrätig haben.
    Handschuhfach rechts ausbauen: 4 Schrauben (TX20) vorn, innen mitte oben 2 Schrauben (Hex10) eventuell vorhandenen Luftkanal abzienen und beim Ausbau Kabel AUX USB Licht etc lösen.

    linkes Ablagefach ausbauen: 4 Schrauben (TX20) lösen und beim Ausbauen OBD2 Buchse ausclipsen.
    Mittelkonsole, Radio, Klimabedienung ausbauen: oft genug beschrieben.
    Radiokäfig ausbauen, dann kommt man besser an einige Steckverbinder.
    Lenksäulenverkleidung oben + unten, Lichtschalter und Kombiinstument ausbauen.
    Wer zuerst im Innenraum arbeitet muss gleich am Anfang die Batterie abklemmen und sichern, jetzt kommen Airbags ins Spiel!
    Lenksäule ausbauen: Lenkradsperre muss eingerastet sein damit sich die Wickelfeder nach dem Ausbau nicht verstellt. Steckverbinder an der Lenksäule lösen und Kabelbaum ausklipsen, Lenkwelle über dem Boden trennen (HEX10) und die 4 Schrauben (Hex10) der Lenksäule entfernen. Lenksäule nach hinten aus dem Armaturenbrett rausziehen.

    Knieairbag ausbauen: zuerst Airbag selbst (2 M6 Mutern) abschrauben, dann Airbagabdeckung oben und unten ausklipsen und Abdeckung mit Airbag vorsichtig abziehen. Stecker ausclipsen. Beim Ausbau mit wenig Kraft arbeiten. Der Deckel ist durch dünne Stege mit seinem Rahmen verbunden die beim Auslösen reissen sollen. Wenn man zu kräftig zieht zerstört man die Abdeckung.
    Kabel Armaturenbrett trennen:
    rechts über dem Handschufach Sound&Connect und HCM Stecker abziehen und Kabelbaum ausclipsen
    über dem IPC: Piepser PDC vorn Stecker abziehen
    Armaturenbrett ausbauen:
    Seitenteile links und rechts ausclipsen, je 2 schwarze Schrauben (Hex10) entfernen.


    Handschuhfach 2 Schrauben (Hex10) am unteren Rohr und 2 Schrauben(Hex10) Halter Airbag lösen


    linke Seite: 2 Schrauben am unteren Rohr (Hex10) und 2 Schrauben (TX40) oberhalb der IPC Schrauben lösen


    Mitte: 2 Schrauben (TX40) Höhe Aschenbecher lösen.


    Jetzt kann man das Armaturenbrett raus nehmen.


    nun die beiden Schalter am Kupplungspedal ausbauen, den unteren gegen den Uhrzeigersinn drehen, den oberen Haltenase (hinten) hochdrücken und nach vorn schieben.
    Kabel ausklipsen und Steckverbinder trennen, Massekabel lösen (linker Schweller) und Kabelbaum beiseite legen.
    Alurahmen für Lenksäule ausbauen:
    2 Anschlagbleche Kupplungs und Bremspedal (Hex8 hinter dem Rohr) abbauen. (blaue Pfeile)
    je 1 Schraube (Hex8) hinter dem Rohr links und rechts aussen lösen. (blaue Pfeile)
    je 1 Schraube links und rechts oben lösen. (rote Pfeile)
    vom Motorraum unterhalb der WSS 2 Schrauben (Hex10) lösen. (grüne Pfeile)


    Alurahmen ausfädeln
    Nun Endlich kann das Kupplungspedal ausgebaut werden:


    Bremsflüssigkeit aus Vorratsbehälter absaugen, die Bremse sollte nun nicht mehr betätigt werden.
    Lappen unter den Geberzylinder stopfen, Leitungen am Geberzylinder abbauen. Vorsicht mit der Metallleitung. Am Ende der Leitung ist eine Gummidichtung die gern abgeht. Also vorsichtig trennen und gleich kontrollieren ob die Gummidichtung noch da ist, wenn nicht suchen.
    Wenn vorhanden Stecker vom Positionssensor Pedalstellung (direkt neben dem Geberzylinder) abziehen.
    Nun von Innen die 4 Muttern (Hex13) lösen und Pedal mit Zylinder entnehmen.
    Mitnehmerstift am Pedal ausdrücken und Geberzylinder (Bajonetverschluss) aus dem Pedal drehen.

    Jetzt konnte ich mein Problem auch gleich sehen. Der Kugelkopf des Stößels war zerbröselt und hat den Kolben nicht mehr gehalten. Dadurch ging das Pedal bis zum mechanischen Anschlag zurück. Das erklärt den Druckpunkt, das Knacken und das das Pedal zu hoch stand.


    Der Kolben selbst wurde zwar noch ausgedrückt aber nicht mehr zurückgezogen. Er wurde nur durch den Hydraulikdruck zurückgeschoben. Irgend wann wohl nicht mehr weit genug so das der Zulauf vom Vorratsbehälter nicht mehr frei wurde. Da auch immer ein wenig Bremsflüssikeit am Kolben vorbei zurück in den Ausgleichsbehlter geht "wanderte" der Kolben bei jeder Betätigung ein wenig in die Endposition, deshalb hatte ich am Ende nur noch wenige cm Pedalweg.

    Nachdem hier alles so schön frei liegt habe ich gleich den Innenraumfilter gewechselt. Besser als jetzt kommt man da nicht ran.
    Zusammenbau dan in umgekehrter Reihenfolge. Zeit habe ich ca. 8h gebraucht.


    Inzwischen bin ich eine Woche gefahren und alles ist wieder i.O.

  • So eine Arbeit möchte ich beim FFH nicht zahlen müssen.

    Ich hatte Beiträge (in anderen Foren) gefunden da wurden von den Ford Werkstätten immer 2 Tage veranschlagt. Waren aber Garantiesachen, also keine Preise.

  • Tja, die entwickeln und bauen Autos zum Verkaufen, nicht zum Reparieren.:lol:

    Da kannst Du vorher noch so sehr auf Wartungsfreundlichkeit schauen, vor so einer Scheixe bist Du nicht sicher.

    Na, wenigstens kann man (wenn man's kann) beim Mondeo ein paar Lampen ohne FFH wechseln.

    Gruß aus Erfurt


    Schon der dritte Ford und der Fahrer wird nicht schlau draus!

  • Beim meinem Fiesta MK2 hat das ungefähr 20 Minuten gedauert (schön war‘s), aber auch da war nicht alles Gold was glänzte!

  • Das ist extrem cool was Du da hinbekommen hast. Ich habe dieses knacken auch und es stört mich schon lange. Aber da mir ungefähr klar war was das bedeutet, habe ich diese Reparatur nie umgesetzt. Ein neuer Kupplungsgeber liegt hier sogar schon rum...

    Die Anleitung würde ich gern im Wiki sehen, na hast Du Lust das zu portieren oder darf ich das tun?

  • Ich habe dieses knacken auch und es stört mich schon lange.

    Bei mir ging der Druckpunkt immer weiter Richtung Bodenblech, wahrscheinlich hat die Kupplung auch ausgekuppelt schon ein wenig geschliffen. Nach dem letzten Entlüften war das Pedal nach 2 Tagen auch schon wieder am Bodenblech angekommen.

    na hast Du Lust das zu portieren oder darf ich das tun?

    kein Problem, kannst auch noch original Bilder mit höherer Auflösung bekommen. Hab aber nicht alles bis ins Kleinste fotogrfiert, mein Ziel war fertig werden. Und im Motorraum mit den dreckigen Händen hab ich das Handy ganz weggelassen.

  • Welchen Sensor meinst du genau ??

    am Geberzylinder ist bei manchen Motor/Getriebevarianten (2,2TDCI immer) ein weiterer Sensor angeklipst. Der erfasst die Stellung des Kolbens im Geberzylinder, kann man auch mit Forscan auslesen. Der Stecker dafür sitzt direkt neben dem Rohr zum Getriebe. Wenn ich mal wieder in der Garage bin mache ich noch ein Foto.

  • Eine erste Fassung der Anleitung habe ist erstellt. Sie liegt hier

    https://mk4-wiki.denkdose.de/a…g/geberzylinder_wechseln/


    Das mit der Geberposition halte ich noch für wichtig aufzuführen, samt info wie und wo man das in Forscan sieht. Dieser Sensor hat auch Einfluß auf die Funktion des Tempomaten, gibt der Sensor aufgrund der Pedalstellung Betätigungswerte, fliegt der Tempomat raus oder lässt sich garnicht erst aktivieren.

  • samt info wie und wo man das in Forscan sieht.

    ich stöpsele am Wochenende den Laptop noch mal dran. Wie der Wert im Forscan genau heißt weiß ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf.

    Dieser Sensor hat auch Einfluß auf die Funktion des Tempomaten, gibt der Sensor aufgrund der Pedalstellung Betätigungswerte, fliegt der Tempomat raus oder lässt sich garnicht erst aktivieren.

    kann ich bestätigen, als das Pedal nicht mehr vollständig zurück kam ging auch der Tempomat nicht mehr rein.

  • Der Wert heisst CPP im BCM. Ich hab zuerst im PCM gesucht, da war er aber nicht. Wertebereich ist bei meinem 12,5% im Ruhezustand und 88,5% durchgetreten.


    Hier nun die Bilder:

    Der Sensor:


    der Geberzylinder mit der Stelle wo der Sensor eingeklipst wird:


    beide zusammen:

  • ich stöpsele am Wochenende den Laptop noch mal dran. Wie der Wert im Forscan genau heißt weiß ich jetzt nicht mehr aus dem Kopf.

    kann ich bestätigen, als das Pedal nicht mehr vollständig zurück kam ging auch der Tempomat nicht mehr rein.

    Vielleicht is das auch der Grund dafür das ich den Tempomaten zwar aktivieren aber die Geschwindigkeit nicht halten kann .

    Das Regelsystem kann ich normal nutzen ,sprich die Geschwindigkeit bei 80km/h setzen sodass er nicht darüber fährt .


    Das ganze ist auch erst nachdem bei mir die Kupplung gewechselt wurde inkl Geberzylinder ..


    Seitdem habe ich auch Leistungsverlust ,sprich gefühlt nur so 100ps anstatt 200ps .

    In der beschleunigung ist er sehr träge (überholen ne katastrophe )...früher war es spielend einfach um auf 160-180km/h zu kommen,jetzt dauerts deutlich länger und ist sehr mühsam.Damals hatte man ab 170km/h nochmal ne 2. Luft und kam ordentlich nach vorne .

    Und der Fehler '' P0704 - Eingangsschaltkreis Kupplungsschalter - Fehlfunktion '' im PCM Modul wird im Forscan angezeigt.


    Im ABS Modul zeigt er mir ''P1708:29-C8 - Kupplungsschalterkreis .



    Meine vermutung ist das er deshalb nen Fehler an steuergerät sendet was wiederum sagt pass auf ich drossel deshalb jetzt mal die Leistung .


    Was meint ihr könnte da was dran sein ???



    Ich danke dir auf jedenfall für die Bilder ,sehr hilfreich .Muss ich bei meinem mal schaun .Vielleicht ist der Stecker ja auch nicht richtig drauf .Gibt es den schalter eigentlich auch einzeln zu kaufen oder nur zusammen mit dem Geberzylinder ??



    Mein Mondi : Ford Mondeo Titanium S BJ 2011 2,2L 200PS Schalter aktuell 154500km gelaufen .

  • Ich gehe mal davon aus das der Geberzylinder Motorseitig hinter dem Batteriekasten sitzt oder?


    Weil so kommst du nirgends dran und siehst auch nichts.



    Die bauen alles so zu

  • Gibt es den schalter eigentlich auch einzeln zu kaufen oder nur zusammen mit dem Geberzylinder ??

    Wohl nur zusammen mit dem Zylinder FINIS 1801414


    ch gehe mal davon aus das der Geberzylinder Motorseitig hinter dem Batteriekasten sitzt oder?

    Batteriekasten muss raus ,sonst siehst du da nix, Geberzylinder sitzt in der Sprizwand.


    Gruß Tom :fahrenlenkrad:


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    Dieser Beitrag wurde bereits 1.694.000 mal editiert, zuletzt von »digdog« (Heute, 01:96)

  • Wohl nur zusammen mit dem Zylinder FINIS 1801414


    Batteriekasten muss raus ,sonst siehst du da nix, Geberzylinder sitzt in der Sprizwand.


    Super danke dir

    Hatte ich mir schon gedacht.

    Batteriekasten raus is keine große sache oder?

  • Batteriekasten raus is keine große sache oder?

    Nö, wenn die Batterie raus ist sind es drei Schrauben.

    Gruß Tom :fahrenlenkrad:


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  • Im ABS Modul zeigt er mir ''P1708:29-C8 - Kupplungsschalterkreis .

    Dann nimm mal ForScan und schau Dir den Wert CPP im BCM an. Wie geschrieben bei mir unbetätigt 12,5% und Kupplung voll durchgetreten 88.5%. Sollte der Wert sich nicht ändern kommen nach Arbeiten dort eigentlich 3 Ursachen in Frage.

    1. Stecker wurde nicht angesteckt, das sollte kein Problem sein.

    2. der Sensor wurde nicht richtig aufgeklipst und ist abgefallen, das lässt sich auch einfach beheben.

    ist der Sensor fest und der Stecker drauf kann der Sensor defekt sein oder der hinterhältige 3. Fall tritt ein.

    3. der schlechteste Fall. Ein falscher Geberzylinder. Bei einem richtigen Geberzylinder ist der Kolben magnetisch, ich denke mal da ist ein Dauermagnet im Kolben eingeklebt oder sonst wie befestigt ist. Wenn man nun einen Geberzylinder ohne den Magnet verbaut und den alten Sensor anklipst kann der Sensor keine Werte liefern. Im Zubehör gibt es Geberzylinder mit und ohne Sensor, die Aufnahme für den Sensor haben alle. Um das zu testen muss man nur den Sensor ab hebeln und einen Schraubendreher an die Stelle halten wo der Sensor hingehört. Mann muss eine deutliche Magnetkraft spüren. Fehlt die ist der falsche Geberzylinder verbaut. Da hilft dann nur ein Wechsel gegen einen richtigen Geberzylinder.


    Eventuell ist bei Dir aber auch ein Schalter nicht richtig montiert oder der Stecker nicht angesteckt worden. Aus dem Bauch würde ich auf den oberen im Innenraum tippen. Der ist eingeklipst, wenn man da nicht richtig arbeitet sind nicht beide Nasen in der Führung und der Schalter kann abfallen. Den unteren sieht man ganz gut wenn die Lenksäulenverkleidung ab ist. Der wird auch einfach eingedreht, da kann man nicht so viel falsch machen.


    Der obere wird vom Hilfsrahmen der Lenksäule verdeckt ist kommt man vernünftig nur ran wenn man die Lenksäule ausbaut. Das ist aber zum Glück nicht aufwendig. Um den Schalter auszubauen muss man die Nase (kleiner Pfeil) nach vorn/oben drücken und den Schalter nach vorn schieben

    .


    Eventuell ist auch ein Schalter einfach defekt.


    Ich gehe mal davon aus das der Geberzylinder Motorseitig hinter dem Batteriekasten sitzt oder?

    richtig, Batterie und Batteriekasten müssen raus. Dann noch der Halter an den der Batteriekasten geschraubt ist.

  • Ich tippe jetzt eher drauf das der Stecker nicht richtig drauf ist oder eben nicht richtig aufgeklipst ist .

    Denn unten am Pedal habe ich schon alle Schalter gewechselt,ja auch den oberen wo man eigentlich fast garnicht dran kommt ....das war ne fummelei ..da musste dir den halben Arm verbiegen und das Handgelenk fast brechen um ihn wieder rein zu bekommen .Raus ist ziemlich einfach .Und das ohne eine verkleidung ab zu machen


    Habe auch alle Schalter am Bremspedal schon gewechselt ...

    Also Schaltertechnisch sind unten alle gewechselt ;)